Feuerwehr im Straßenverkehr

Sie kennen das, Sie fahren gemütlich auf einer Straße und plötzlich ertönt hinter Ihnen ein Martinshorn. Die Frage die sie sich jetzt stellen: Wie verhalte ich mich richtig?

Wir möchten Ihnen hier ein paar Grundlagen und Verhaltensanweisungen zu diesem Thema geben.

Grundlegend sind Sonder- und Wegerechte in der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt.

Im §35 „Sonderrechte“ heißt es:

(1) Von den Vorschriften dieser Verordnung sind die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist.

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(5a) Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von den Vorschriften dieser Verordnung befreit, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden.

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(8) Die Sonderrechte dürfen nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden.

Sonderrechte können sein:

  • nichteinhalten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
  • Nichtbeachten der Vorfahrt anderer Verkehrsteilnehmer
  • Rechtsüberholen und Überholen im Verbotsbereich
  • Missachten von Lichtzeichen
  • Befahren entgegen einem Verbot Parken und Halten im Verbotsbereich

Der §38 „blaues Blinklicht und gelbes Blinklicht“ sagt:

(1) Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.

Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“.

(2) Blaues Blinklicht allein darf nur von den damit ausgerüsteten Fahrzeugen und nur zur Warnung an Unfall- oder sonstigen Einsatzstellen, bei Einsatzfahrten oder bei der Begleitung von Fahrzeugen oder von geschlossenen Verbänden verwendet werden.

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Zusammengefasst bedeutet dies: die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und die Fahrzeuge des Rettungsdienstes sind von der Straßenverkehrsordnung befreit, wenn dies zur Erfüllung ihrer hoheitlichen Aufgaben erforderlich ist oder um Menschenleben zu retten und gesundheitliche Schäden abzuwenden. Damit hat die Feuerwehr und die anderen oben genannten, generell Sonderrrechte, wenn ein Auftrag übernommen wurde. Dabei spielt blaues Blinklicht und Einsatzhorn noch keine Rolle. Dieses wird erst eingesetzt, wenn höchste Eile geboten ist. Bei eingeschaltenem Blaulicht und Martinshorn, müssen alle übrigen Verkehrsteilnehmer sofort freie Bahn schaffen. Die freie Bahn kann auf unterschiedlichen Wegen geschaffen werden, ein plötzliches Abbremsen ist nicht immer notwendig und kann unter Umständen auch zu einem Unfall führen, wenn beispielsweise andere Verkehrsteilnehmer das Einsatzfahrzeug noch nicht wahrgenommen haben. Auch eine „ROTE“ Ampel kann überfahren werden, um ein Einsatzfahrzeug vorbei zu lassen. Dabei muss unter äußerster Vorsicht in den Kreuzungsbereich eingefahren werden!

Wie das „freie Bahn schaffen“ aussehen kann haben wir nochmal graphisch dargestellt:

 

Einspurige Fahrbahnen

Auf Einspurigen Fahrbahnen fahren alle Fahrzeuge nach rechts an den jeweiligen Fahrbahnrand

 

 

Zwei- und mehrspurige Fahrbahnen
Auf Fahrbahnen mit zwei oder mehr Fahrstreifen je Richtung, fahren die linken Fahrzeuge nach links und
alle weiteren Fahrzeuge nach rechts
 
 
 
 
Entgegenkommende Einsatzfahrzeuge
Bei entgegenkommenden Einsatzfahrzeugen nach rechts ausweichen, Tempo verringern und ggf. anhalten
 
 
 
 
Einsatzfahrzeuge auf gleicher Höhe
Fährt ein Einsatzfahrzeug auf gleicher Höhe, Geschwindigkeit verringern und Einsatzfahrzeug ggf. einscheren lassen.
 
 
 
 
Rote Ampel
Vor einer roten Ampel nach rechts ausweichen, ggf. auch über die Haltelinie fahren, wenn es der Verkehr zulässt. Schon ein Meter kann nachfolgenden Fahrzeugen das Rangieren ermöglichen und dem Einsatzfahrzeug so freie Fahrt bieten.
 
 
 
 
 
Fußgänger und Radfahrer
Auch Fußgänger und Radfahrer müssen Einsatzfahrzeuge passieren lassen und dabei auf eigene Vorrechte verzichten.
 
 
 
(Quelle: „Rettungsdienste“, Reinhard Schmieder, Manfred Unterkofler)
 

Allgemeine Hinweise:

 

  • Ruhe bewahren!
  • Woher kommen die Signale?
  • In welche Richtung bewegen sich die Einsatzfahrzeuge?
  • Wie viele Fahrzeuge sind es?
  • Hillfreich ist auch, den Blinker zu setzen, um Einsatzfahrzeugen anzuzeigen, in welche Richtung man Platz schaffen will; dabei auf andere Verkehrsteilnehmer (z.B. Radfahrer/Mofafahrer) achten.

Im Übrigen lässt uns der Gesetzgeber keinen Spielraum, wann wir das Einsatzhorn einschalten müssen! Eigentlich müssten wir von der Wache bis zum Einsatzort das Einsatzhorn einschalten, damit wir das Wegerecht haben.

 

Ein besonderes Kostrukt findet von Zeit zu Zeit auch auf unseren Straßen. Die Rede ist von dem sogenannten „geschlossenenen Verband“ (§27 StVO). Dabei muss jedes einzelne Fahrzeug als zum Verband gehörig gekennzeichnet sein. Dies kann durch Flaggen an den Fahrzeugen, zumindest am ersten und letzten Fahrzeug oder wie bei Einsatzfahrzeugen üblich durch eingeschaltetes blaues Blinklicht. Dieser Verband darf nicht durchbrochen werden und muss als ein einzelnes Fahrzeug angesehen werden. Dieser Verband hat nicht zwangsläufig Sonderrechte, so kann es vorkommen, dass dieser vor einer roten Ampel anhält. Fährt jedoch das erste Fahrzeug bei „grün“ und während der Überfahrt schaltet die Ampel auf „rot“ dürfen die restlichen Fahrzeuge die Ampel noch überfahren, da es sich wie schon erwähnt um „EIN“ Fahrzeug handelt.